Baubeschreibung
Bauherr: Ulrich Meyer

Zum Gebäude:

Dieses Haus kann es eigentlich gar nicht geben. Es kann auf jeden Fall nicht in Deutschland stehen, weil es auf gar nichts Rücksicht nimmt, was Deutschlands Wetter so speziell macht: Regen, Sturm, Schnee, Eis. Der Pavillon-Grundriss ist auch nicht so recht nach deutschem Geschmack – aber irgendwie boten sich die Legosteine dazu an. Es ist ein exotischer Bau geworden mit mehreren Bauteilen, vielen Eingängen, etlichen Durchbrüchen nach draußen. Wir ahnen also, dass dieses Haus an einem
besonderen Ort stehen muss. Gäbe es einen deutschen Botschafter auf Bali, dann wäre das seine Residenz. Dort wohnte dann der Botschafter mit seiner Familie, dort fänden die Feten der Vertretung statt. Da wäre kein Verkehr von Leuten, die ihre Pässe verschusselt haben, sondern ausschließlich von Gästen unseres Landes, die auf einer der Terrassen und Balkone ein deutsches Bier tränken und/oder einfach nur in die balinesische Brandung schauten. Klar, dass dieses Haus direkt am Meer steht. Da gedeihen die Palmen am besten, der grüne Garten sowieso und auch die Bambus-Diagonalen an einer der Hausfassaden fügen sich perfekt ein ins Bild von Natur pur. Innen hätten wir sehr gern mit lokalen Hölzern gearbeitet, wenn es entsprechende Legosteine gäbe. Der geneigte Betrachter wird dennoch erkennen, dass wir aus Zahnstochern eine Matte geklebt haben – draußen ist das eine Art Deck, drinnen wäre es ein Tropenparkett. Türen und Fenster gibt es natürlich nicht. Das braucht man wohl nicht auf Bali. Heizkörper auch nicht. Und an Solarkollektoren haben wir in unserer Baubegeisterung gar nicht erst gedacht. In dem Klima keine wirkliche Unterlassungssünde... Überhaupt: Der deutsche Botschafter in Indonesien sitzt ja auch ganz woanders - natürlich in der Hauptstadt Jakarta, weit weg von diesem Traum am Meer.
Aber vielleicht, wenn der Entwurf gefällt, und die Steuergelder in Deutschland weiter so sprudeln wie zurzeit, könnte es so etwas einmal geben. Und wenn das Haus irgendwo anders, sagen wir, in Cotonou im afrikanischen Benin gebaut würde, wäre ich auch nicht böse. Und die späteren Bewohner bestimmt ebenfalls nicht.